Alle Informationen dienen
ausschließlich zur Orientierung. Ergebnisse können variieren. Keine individuelle Beratung.
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Anlagewissen
4. April 2026
Interview: Depot-Rebalancing zwischen Disziplin, Emotionen und Alltag
Drei Fragen, viele Zwischentöne: Wie bleibt man gelassen, wenn die Märkte schwanken? Was hilft
wirklich gegen Aktionismus? Friederike Jung gibt Einblick in ihre tägliche Praxis und zeigt, wie
klar definierte Abläufe und Reflexion langfristig Stabilität bringen.
Clara Becker
Was ist die größte Herausforderung für Anleger beim Rebalancing?
Friederike Jung
Aus meiner Erfahrung ist das größte Hindernis beim Rebalancing nicht die Mathematik, sondern die eigene Ungeduld. Viele Anlegerinnen und Anleger möchten rasch auf Marktbewegungen reagieren und unterschätzen dabei, wie wichtig Kontinuität ist. Gerade wenn es turbulent wird, neigen viele dazu, eingefahrene Prinzipien über Bord zu werfen. Ich rate: Halten Sie sich an Ihre zuvor festgelegten Regeln, auch wenn das Umfeld hektisch wirkt. Dokumentieren Sie Ihre Beweggründe, bevor Sie eine Entscheidung treffen – das bringt Klarheit und bewahrt Sie vor überstürzten Umschichtungen.
Clara Becker
Wie lässt sich Disziplin beim Rebalancing bewahren?
Friederike Jung
Disziplin zeigt sich vor allem darin, dass man sich selbst Grenzen setzt – zum Beispiel feste Schwellenwerte oder Überprüfungsintervalle. Ein klarer Plan hilft, in bewegten Zeiten Ruhe zu bewahren. Aber Disziplin heißt auch, sich den eigenen Emotionen zu stellen und zu akzeptieren, dass nicht jede Abweichung sofortige Maßnahmen erfordert. Wer Routinen entwickelt, kann gelassener mit Schwankungen umgehen und verliert nicht so leicht die Orientierung. Am Ende zählt der Blick aufs große Ganze, nicht auf das einzelne Auf und Ab.
Clara Becker
Welche praktischen Empfehlungen geben Sie Privatanlegern für die Umsetzung?
Friederike Jung
Mein wichtigster Tipp ist, das Rebalancing als festen Termin im Kalender zu verankern – mindestens einmal im Jahr, besser noch quartalsweise. Dokumentieren Sie jede Änderung und deren Grund, auch wenn sie klein erscheint. Suchen Sie im Zweifel das Gespräch mit einer neutralen Person, etwa einem Berater oder einer vertrauten Freundin. Externe Impulse verhindern Betriebsblindheit und fördern konstruktive Selbstkritik. Und: Seien Sie geduldig mit sich selbst – nicht jede Entscheidung muss perfekt sein, solange Sie Ihren Prinzipien treu bleiben.
Clara Becker
Worauf sollte man bei der konkreten Umsetzung achten?
Friederike Jung
Technisch betrachtet empfehle ich, bei jeder Umschichtung sowohl die Transaktionskosten als auch die steuerlichen Auswirkungen im Blick zu behalten. Nicht jede Anpassung lohnt sich sofort – manchmal ist Abwarten sinnvoller. Prüfen Sie, ob Ihr aktueller Mix noch zu Ihrer persönlichen Zielstruktur passt, und überlegen Sie, welche Konsequenzen eine Änderung wirklich hat. Eine gut dokumentierte Übersicht hilft dabei, keine wichtigen Details aus den Augen zu verlieren.